Gewinnsaison mit Rückenwind, aber hoher Messlatte
Die Berichtssaison für das dritte Quartal zeigt bislang ein gemischtes Bild. Rund ein Viertel der S&P-500-Unternehmen hat bisher berichtet, davon übertrafen 83% die Gewinnerwartungen. Die positiven Überraschungen fielen mit durchschnittlich etwas über 2% jedoch deutlich geringer aus als im historischen Vergleich. Gleichzeitig bleibt das erwartete Gewinnwachstum mit über 29% aussergewöhnlich stark, wobei ein grosser Teil auf Unternehmen entfällt, die vom KI-Investitionszyklus profitieren. Infolgedessen mehren sich die kritischen Stimmen, da die Marktbreite so schmal ist wie zuletzt um die Jahrtausendwende und ein Teil der ausgewiesenen Gewinne aus Buchgewinnen auf Beteiligungen an nicht kotierten KI-Unternehmen stammt. Entscheidend wird daher sein, ob sich die hohen Investitionen weiterhin in steigenden Umsätzen und Margen niederschlagen.
Bewertungen hängen stark von den Gewinnschätzungen ab
Die Bewertungen erscheinen auf Basis der erwarteten Gewinne deutlich moderater als auf Basis der vergangenen zwölf Monate. Der S&P 500 wird aktuell mit einem KGV von rund 26x auf Basis der vergangenen zwölf Monate bewertet, auf Basis der 2026er und 2027er Gewinnschätzungen jedoch mit rund 21x bzw. 18x. Die hohen Gewinnerwartungen haben dazu geführt, dass die KGVs trotz steigender Aktienkurse über mehrere Monate rückläufig waren. Nach der Konsolidierung im September und Oktober sind die Bewertungen teilweise nochmals deutlich zurückgekommen. In Europa liegen sie ebenfalls deutlich tiefer. Damit hängt die Bewertung entscheidend von der Erreichbarkeit der Gewinnschätzungen ab. Für die wichtigsten Regionen erscheinen die erwarteten Gewinnpfade aber grundsätzlich plausibel. In einzelnen Segmenten, insbesondere bei Halbleitern, setzt das 2027er Forward-KGV von 15,7x gegenüber dem aktuellen KGV von 37x eine Gewinnsteigerung von rund 135% voraus. Bleiben diese erwarteten Gewinne aus, werden die heute vermeintlich günstigen Bewertungen deutlich relativiert.
Zur Einordnung: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) setzt den Aktienkurs ins Verhältnis zum Gewinn je Aktie. Beim Forward-KGV werden statt der Gewinne der vergangenen zwölf Monate die erwarteten Gewinne der kommenden Jahre verwendet. Steigen die Gewinnerwartungen stärker als die Kurse, sinkt das Forward-KGV, obwohl die Aktien teurer geworden sind.