Von TINA zu PATY
Seit Jahren prägt eine scheinbar einfache Logik die globalen Finanzmärkte: TINA, «There Is No Alternative». Gemeint ist, dass historisch tiefe Zinsen und geringe Renditen auf sichere Anlagen Aktien für Anleger praktisch alternativlos erscheinen lassen. Die Aktienmärkte profitieren damit nicht nur von Gewinnwachstum, sondern auch von einem niedrigen Diskontsatz und fehlenden Alternativen.
Mit dem Anstieg der Nominal- und Realrenditen wird diese Logik aber zunehmend herausgefordert. Anleihen bieten wieder laufende Erträge und werden damit zu einer echten Alternative für Kapital. Zunehmend stellt sich die Frage, ob die Ära von TINA endet und Rendite wieder zum Wettbewerbsfaktor wird. An die Stelle von TINA könnte ein neues Leitmotiv rücken: PATY, «Pay Attention to Yields». Der Wettbewerb um Kapital nimmt zu. Gleichzeitig erhöhen steigende Zinsen den Diskontsatz und damit den Bewertungsdruck auf Risikoanlagen.
Doch so gerne die Finanzmärkte mit einfachen Begriffen arbeiten, PATY ist kein pauschales Plädoyer für eine Abkehr von Aktien. Entscheidend bleibt vielmehr, ob Gewinnwachstum und Cashflows die höheren Kapitalkosten rechtfertigen können. Aus heutiger Sicht ist dies weiterhin der Fall. Die globale Konjunktur zeigt sich resilient, die Unternehmensgewinne entwickeln sich robust und strukturelle Investitionen, insbesondere in Digitalisierung und künstliche Intelligenz, schaffen weiterhin Wachstumsimpulse.
Gleichzeitig haben die Aktienmärkte im Jahresverlauf trotz steigender Renditen und des anhaltenden Iran-Konflikts eine sehr gute Entwicklung verzeichnet. Hinzu kommt die saisonal schwächere Phase des Jahres, die traditionell mit einer höheren Schwankungsanfälligkeit einhergeht. Vor diesem Hintergrund ist im Oktober durchaus mit erhöhter Volatilität zu rechnen. Dies wäre jedoch nicht automatisch ein Signal für eine nachhaltige Trendwende. Solange Makroökonomie und Gewinnentwicklung intakt sind, können Schwächephasen vielmehr Chancen für neue Engagements in Aktien eröffnen. PATY bedeutet somit nicht weniger Aktien, sondern mehr Aufmerksamkeit für Renditen, Bewertungen und Fundamentaldaten.
Wir wünschen Ihnen eine spannende Lektüre.
Freundliche Grüsse
Gzim Hasani, CEO
Bekim Laski, CFA, Chief Investment Officer

