«Climbing the Wall of Worry»: Rally trotz Iran-Krise
Die Finanzmärkte haben nach der starken Korrektur im März infolge der geopolitischen Eskalation rund um den Iran im April eine beeindruckende Erholung hingelegt. In vielen Regionen wurden sogar neue Höchststände erreicht. Besonders paradox erscheint, dass Analysten die Unternehmensgewinnprognosen trotz geopolitischer Unsicherheiten und anhaltender Inflationssorgen sogar weiter nach oben revidiert haben. Wie lässt sich diese scheinbare Diskrepanz erklären?
«Climbing the Wall of Worry» beschreibt genau diese Dynamik: Märkte steigen häufig in einem Umfeld anhaltender Skepsis. Die Erholung basiert auf mehreren Faktoren. Erstens haben Deeskalationsmassnahmen aus dem Iran-Konflikt die Panikstimmung gemindert. Zweitens stützen robuste Konjunkturdaten und fiskalpolitische Massnahmen das Wachstum. Drittens spiegeln die aufwärts revidierten Gewinnschätzungen Vertrauen in die Widerstandsfähigkeit der Unternehmen wider.
Denn ein inflationäres Umfeld muss nicht zwangsläufig negativ für alle Sektoren sein. Insbesondere Technologie- und KI-nahe Geschäftsmodelle profitieren strukturell und sind weniger anfällig für kurzfristige geopolitische Schocks. In der laufenden Berichtssaison zeigen zwar einzelne Sektoren Schwächen infolge der Energiekrise, doch der Ausblick vieler Firmen fällt insgesamt konstruktiver aus als befürchtet.
Die aktuelle Entwicklung folgt damit einem bekannten Muster: Die Märkte steigen nicht trotz Unsicherheit, sondern im Zuge ihrer schrittweisen Neubewertung. Solange die schlimmsten Szenarien vermieden werden und fundamentale Daten stabil bleiben, werden Risiken schrittweise abgebaut, wodurch die «Mauer der Sorgen» erklommen wird.
Wir wünschen Ihnen eine spannende Lektüre.
Freundliche Grüsse,
Gzim Hasani, CEO
Bekim Laski, CFA, Chief Investment Officer

