Höher. Länger. Teurer.
Die Weltwirtschaft und die globalen Finanzmärkte befinden sich in einem strukturellen Regimewechsel. Die Zinsen steigen nicht nur als Reaktion auf Inflationsrisiken, sondern reflektieren zunehmend Zweifel an der langfristigen Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen. Hohe Haushaltsdefizite und steigende Verschuldung führen dazu, dass Investoren höhere Risikoprämien für langfristiges Kapital verlangen. Kapital wird damit strukturell teurer.
Höhere Energiepreise verstärken diesen Druck und nähren die Diskussion über ein stagflationäres Umfeld. Die Kombination aus erhöhtem Preisniveau und nachlassender Wachstumsdynamik bleibt ein relevantes Risikoszenario, manifestiert sich jedoch bislang nicht in den makroökonomischen Daten. Im Gegenteil: Die Weltwirtschaft zeigt sich robust, insbesondere in den USA, wo Konsum, Arbeitsmarkt und Unternehmensgewinne die Erwartungen weiterhin übertreffen. Diese Dynamik stabilisiert das globale Wachstum und reduziert die Wahrscheinlichkeit einer breiten konjunkturellen Abschwächung.
Vor diesem Hintergrund erreichen die Aktienmärkte trotz höherer Zinsen und steigender Risikoprämien neue Höchststände. Besonders ausgeprägt ist diese Entwicklung im Technologiesektor in den Bereichen künstliche Intelligenz (KI) und Halbleiter, getragen von starkem Gewinnwachstum und einem strukturellen Investitionszyklus.
«Höher. Länger. Teurer.» hat für die Aktienmärkte somit eine differenziertere Bedeutung als für Zinsen und Inflation. Höhere Kurse sind nicht gleichbedeutend mit teureren Bewertungen, solange sie fundamental durch Gewinnwachstum getragen werden. «Länger» beschreibt dabei den übergeordneten Wachstumsmotor, die Investitionen in KI, die strukturell von langfristiger Natur sein dürften.
Genau hier liegt die zentrale Spannung: Die notwendigen Investitionen in Infrastruktur, Energie, Verteidigung und Technologie treffen auf ein Umfeld restriktiver Finanzierungskosten. Kapital wird teurer in einer Phase, in der es strukturell benötigt wird. Für Investoren ist dieses Umfeld weniger Anlass zur taktischen Reaktion als zur strategischen Einordnung. Massgebend bleibt eine disziplinierte Kapitalallokation, die strukturelle Wachstumstreiber nutzt und Realwerte mit stabilen Cashflows, solider Bilanzqualität und hoher Produktivität konsequent in den Vordergrund rückt.
Wir wünschen Ihnen eine spannende Lektüre.
Freundliche Grüsse,
Gzim Hasani, CEO
Bekim Laski, CFA, Chief Investment Officer

