Der Schweizer Strommix, der stark auf Wasserkraft und Kernenergie beruht, bietet zudem einen Teilpuffer gegenüber dem Ölpreisschock im Zusammenhang mit dem Konflikt im Nahen Osten. Dieser Effekt wirkt allerdings primär auf der Strompreisseite. Treibstoffe und Heizöl bleiben ölgebunden und schlagen direkt auf den Landesindex der Konsumentenpreise durch. Per Saldo spricht dennoch vieles dafür, dass sich die Teuerung 2026 und 2027 im aktuellen Bereich stabilisiert. Im Vergleich zu anderen Zentralbanken, insbesondere der EZB, befindet sich die SNB damit in einer vergleichsweise komfortablen Position.
Kommunikation statt Zinsschritt
Da sich die Preisentwicklung weiterhin im unteren Bereich des Zielbands bewegt, ist eine Richtungsänderung aus reiner Inflationssicht somit von geringer Relevanz. Im Fokus bleibt damit die Wechselkursfrage. Die SNB hat über das Jahr hinweg eine erhöhte Bereitschaft signalisiert, am Devisenmarkt zu intervenieren. Entscheidend für Interventionen ist jedoch nicht ein fixes Kursniveau, sondern eine schnelle und übermässige Aufwertung des Frankens. Entsprechend dürfte die SNB vor allem dann aktiv werden, wenn sich der Wechselkurs abrupt bewegt, während eine graduelle Anpassung des Frankens weniger wahrscheinlich eine Intervention auslöst. Für die Beurteilung künftiger Devisenmarktaktivität ist diese Logik wichtiger als jede einzelne Kursmarke.
Wachstum bleibt positiv, aber verhalten
Auch die Realwirtschaft rechtfertigt keinen Kurswechsel. Für 2026 wird ein reales Wachstum von rund 1% erwartet. Die SNB beschreibt die Konjunkturdynamik kurzfristig als verhalten, rechnet mittelfristig aber mit einer teilweisen Erholung. Der Konflikt im Nahen Osten bleibt ein bedeutender Unsicherheitsfaktor, doch die Schweizer Wirtschaftsstruktur bietet im internationalen Vergleich gewisse Puffer, und die inflationsseitigen Folgen des Energieschocks sind bislang begrenzt geblieben.
Folgen für Zinsen und Kreditmärkte
Der Entscheid bestätigt ein vorerst stabiles Umfeld tiefer Zinsen. Solange die SNB den Leitzins bei null hält und ihre Kommunikation nicht erkennbar restriktiver wird, bleibt die Wahrscheinlichkeit eines baldigen Zinsschritts nach oben aus unserer Sicht gering, auch wenn die Markterwartungen gemessen an den Swap-Sätzen bis Ende Jahr weiterhin ein latentes Risiko einer Zinserhöhung einpreisen.