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SNB belässt Leitzins bei 0.00% – trotz geopolitisch bedingter Inflationssorgen

Artikel
19 Mär 2026
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Wie allgemein erwartet sieht die Schweizerische Nationalbank (SNB) trotz der geopolitisch bedingten Inflationssorgen keinen Handlungsbedarf und belässt den Leitzins unverändert bei 0%. Der rasante Anstieg des Erdölpreises auf über 100 USD pro Barrel schürt zwar global neue Inflationssorgen und erinnert an die Situation von 2022/2023, als in manchen Wirtschaftsregionen zeitweise zweistellige Teuerungsraten gemessen wurden und geldpolitische Massnahmen teils zu spät griffen. Doch die aktuelle Situation weicht auch wesentlich von der damaligen Energiekrise ab. Im Jahr 2022 überlagerten sich gleich mehrere Schocks: aufgestaute Nachfrage nach dem Lockdown, unterbrochene Lieferketten und stark steigende Gaspreise infolge des Ukraine-Kriegs.

Bis vor dem Iran-Konflikt prägten deflationäre Tendenzen durch den starken Franken die Schweiz, mit einer tiefen Inflation bei der Nullgrenze. Im Vergleich zu anderen Zentralbanken befindet sich die SNB somit in einer relativ komfortablen Position, weshalb ein Stillhalten aktuell die wohl beste Entscheidung ist.

Abwärtsdruck auf die Inflation hat abgenommen

Die Frage ist nun, wie nachhaltig dieser neue Preisdruck tatsächlich ist. Ein Inflationsschub durch höhere Energiepreise würde in der Schweiz vor allem die Importpreise erhöhen. Diese Art von Inflation ist an sich weniger problematisch und würde teilweise durch einen erstarkten Franken abgefedert. Erst wenn der Preisschock über Zweitrundeneffekte in andere Segmente gelangt und die Kerninflation erreicht, könnte ein geldpolitisches Eingreifen sinnvoll werden. Da die aktuelle Inflation jedoch am unteren Rand des Zielbandes von 0 bis 2% liegt, verfügt die SNB über ausreichend Spielraum, um abzuwarten und die Lage weiterhin zu beobachten.

Inflation

Was passiert mit den Schweizer Zinsen?

Die Reaktion der Finanzmärkte spiegelt sich auch in den Zinserwartungen wider. Seit Ausbruch des Kriegs hat die Schweizer Zinsswap-Kurve im kurzen und mittleren Segment leicht nach oben reagiert, und der Markt preist sogar eine mögliche Leitzinsanhebung auf 0,25% bis Jahresende ein. Wir sehen dies jedoch als Überreaktion und erwarten einen stabilen Leitzins bis Jahresende sowie stabile Zinsen für mittlere und längere Laufzeiten.

Swap-Kurve
Erwartungen

Was passiert mit den Hypothekarzinsen? Soll man von SARON auf eine Festhypothek wechseln?

Diese Zinserwartungen haben bereits konkrete Auswirkungen auf den Hypothekarmarkt. Die Zinsen von Festhypotheken sind in den letzten Wochen allgemein gestiegen, und die Sorge, dass die SNB die Leitzinsen bis Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres anheben könnte, wirft die Frage auf, ob ein Wechsel von SARON- auf Festhypotheken empfehlenswert ist. Wir empfehlen, keine überstürzten Entscheidungen zu treffen und die Zinsstrategie an die eigene finanzielle Situation auszurichten. Solange sich daran nichts ändert, ist es ratsam, die bestehende Strategie beizubehalten.

Wird der Schweizer Franken weiter aufwerten?

Neben den Zinsmärkten reagiert auch der Devisenmarkt auf das veränderte Umfeld. In Phasen erhöhter Risikoaversion fliesst Kapital erfahrungsgemäss in sichere Häfen, und der Schweizer Franken gehört an den globalen Finanzmärkten zu den bevorzugten Zielwährungen. Die SNB hat erneut verbal Währungsinterventionen angedeutet, praktisch wäre deren Einfluss aber begrenzt: Auch systematische Devisenkäufe können den Richtungskurs des Frankens kaum wesentlich ändern. Der Franken dürfte daher auf hohem Niveau verharren.

Welche Risiken bestehen für die Schweizer Wirtschaft?

Ein starker Franken federt zwar Importinflation ab, kann aber exportorientierte Unternehmen belasten. Hinzu kommen die realwirtschaftlichen Risiken des Konflikts. Die Schweizer Wirtschaft wuchs 2025 um 1,4% und dürfte 2026 gemäss den neusten offiziellen Prognosen mit rund 1% spürbar schwächer expandieren. Ein anhaltender Ölpreisschock hätte global stagflationäre Effekte, also gleichzeitig konjunkturdämpfende und preistreibende Auswirkungen, die auch für die Schweiz infolge eines geschwächten globalen Absatzmarktes spürbar wären. In den gängigen Szenario-Modellen wird derzeit davon ausgegangen, dass der Konflikt relativ kurz verläuft. In einem solchen Fall dürfte der Einfluss auf die globale Inflation moderat bleiben, da viele Volkswirtschaften noch über gewisse freie Kapazitäten verfügen. Entsprechend wären die zusätzlichen Belastungen für das Schweizer Wachstum begrenzt, und der direkte Beitrag höherer Energiepreise zur Schweizer Inflation bliebe moderat.

Was bedeutet das für Anlegerinnen und Anleger?

So real die wirtschaftlichen Risiken auch sind, wir empfehlen, keine überstürzten Portfolioentscheidungen zu treffen. Geopolitische Schocks erzeugen Volatilität. Das ist unangenehm, aber kein Grund zur Kapitulation. Auch wenn der aktuelle Konflikt sich durch die strukturelle Bedeutung der Region für die globale Energieversorgung von früheren Ereignissen unterscheidet, offenbaren geopolitische Ereignisse ein wiederkehrendes Muster: Nach anfänglichen Kursrückgängen folgte meist eine Stabilisierung, oft mit Erholungen innerhalb weniger Monate.

Portfoliodiversifikation bleibt in solchen Phasen essenziell. Die Geschichte zeigt zudem, dass Anlegerinnen und Anleger, die in Phasen geopolitischer Unsicherheit diszipliniert an ihrer Strategie festhalten, langfristig besser abschneiden als jene, die auf Kursrückgänge mit übereilten Verkäufen reagieren.

Author:
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Bekim Laski

Chief Investment Officer und Partner
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