smzh blue logo
Anlagen

Warum Gold trotz der Iran-Krise fällt

Artikel
16 Apr 2026
gold_mockup_artikel_a18c39a002_4379d9ccaa.webp

Gold gilt allgemein als sicherer Hafen und erzielt in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit und geopolitischer Spannungen in der Regel eine gute Performance. Im Iran-Konflikt zeigt sich jedoch ein differenziertes Bild. Trotz erhöhter Spannungen hat Gold nicht von den erwarteten Umschichtungen in als sicher geltende Anlagen profitiert. Dies unterstreicht, wie entscheidend die zugrunde liegenden Einflussfaktoren sind.

Abb. 1

Günstige Rahmenbedingungen für Gold

Neben geopolitischen Entwicklungen wird der Preis von Gold stark von makroökonomischen Rahmenbedingungen beeinflusst. Historisch gesehen erzielt Gold die beste Performance in Phasen mit tiefen oder rückläufigen Realzinsen, da Gold im Vergleich zu anderen Anlagen attraktiver wird, wenn diese tiefere Renditen bieten.

Auch ein schwächerer US-Dollar unterstützt den Goldpreis. Da Gold in US-Dollar gehandelt wird, führt eine Abschwächung der Währung zu einer steigenden Nachfrage internationaler Investoren und übt zusätzlichen Aufwärtsdruck auf die Preise aus. Zudem profitiert Gold von steigenden Inflationserwartungen, vor allem dann, wenn diese nicht vollständig durch höhere Zinsen kompensiert werden. In solchen Szenarien dient Gold als wirksamer Schutz gegen den Verlust von Kaufkraft und monetäre Instabilität.

Schliesslich beeinflussen auch strukturelle Faktoren wie die Goldnachfrage der Zentralbanken den Preis. Kaufen Zentralbanken Gold zur Diversifikation ihrer Reserven, steigt die Nachfrage. Da das Angebot an Gold begrenzt ist, trägt diese zusätzliche Kaufaktivität langfristig zur Preisstabilität bei und unterstreicht die Rolle von Gold als wertbeständige Anlage.

Kein Vorteil in der Krise

Dass Gold nicht vom Iran-Konflikt profitieren konnte, zeigt, dass das Edelmetall in Stressphasen nicht immer mit Kursgewinnen reagiert. Die gestiegene Unsicherheit führte zu einer erhöhten Risikoaversion, in der Anleger Liquidität und Rendite bevorzugten. In diesem Umfeld etablierte sich der US-Dollar als defensiver Anlagewert – gestützt durch steigende Ölpreise, seine zentrale Rolle auf den Weltmärkten sowie robuste wirtschaftliche Fundamentaldaten.

Gleichzeitig schmälerten steigende Realzinsen, also inflationsbereinigte Zinssätze, die Attraktivität renditeloser Anlagen wie Gold. Ein stärkerer US-Dollar belastete den Goldpreis zusätzlich: Zum einen verteuerte er Gold für internationale Anleger, zum anderen stand er als sicherer Hafen in direkter Konkurrenz zu Gold.

Abb. 2
Abb. 3

Die Marktdynamik verstärkte diesen Druck zusätzlich. Gewinnmitnahmen nach früheren Kursanstiegen sowie der Abbau gehebelter Positionen zur Deckung von Liquiditätsbedarf führten zu zusätzlichem Verkaufsdruck. Auch strukturelle Faktoren spielten eine Rolle: Hohe Staatsdefizite und eine restriktivere Liquiditätsversorgung sorgten für steigende Renditen. Gleichzeitig traten einzelne Zentralbanken – etwa die der Türkei – als Nettoverkäufer von Gold auf, um ihre Währungen zu stabilisieren und Devisenreserven wieder aufzubauen.

Gold bleibt ein strategischer Portfoliobaustein

Vor diesem Hintergrund unterstreicht die jüngste Underperformance von Gold eine zentrale Erkenntnis: Gold sollte nicht als kurzfristige Absicherung gegen geopolitische Ereignisse gesehen werden, sondern als strategische Anlage, deren Wertentwicklung primär durch makroökonomische Faktoren bestimmt wird.

Für Anleger bedeutet dies, langfristig zu denken. Auch wenn Gold phasenweise Schwäche zeigt, bleiben seine fundamentalen Eigenschaften erhalten. Gold dient nach wie vor als Diversifikator, als Absicherung gegen währungsspezifische Risiken und als Wertspeicher in einem Umfeld steigender Staatsdefizite und langfristiger Risiken einer Währungsabwertung.

Phasen wie jetzt zeigen, dass kurzfristige Kursentwicklungen von traditionellen Erwartungen abweichen können. Dies stellt jedoch die strategische Rolle von Gold nicht in Frage, sondern verdeutlicht vielmehr die Bedeutung einer disziplinierten, langfristigen Allokation anstelle kurzfristiger Reaktionen auf temporäre Marktbewegungen.

Author:
Bekim Laski_Avatar.png

Bekim Laski

Chief Investment Officer und Partner
Share on: