Am 14. Juni 2026 stimmt die Schweizer Bevölkerung über die sogenannte Nachhaltigkeitsinitiative bzw. «Keine 10-Millionen-Schweiz!»-Initiative ab. Die Vorlage verlangt, dass die ständige Wohnbevölkerung der Schweiz bis 2050 die Grenze von 10 Millionen Personen nicht überschreitet und sieht bei anhaltend hohem Bevölkerungswachstum letztlich eine Kündigung der Personenfreizügigkeit (PFZ) mit der Europäischen Union vor.
Seit Einführung der PFZ im Jahr 2002 ist die ständige Wohnbevölkerung der Schweiz von knapp 7,3 Millionen auf rund 9,1 Millionen Personen gewachsen. Rund 80% dieses Wachstums sind auf die Nettozuwanderung zurückzuführen, was einem durchschnittlichen jährlichen Wanderungssaldo von rund 65’000 Personen entspricht. Während viele europäische Länder künftig mit stagnierenden oder rückläufigen Bevölkerungszahlen konfrontiert sein dürften, wird für die Schweiz weiterhin ein Wachstum erwartet.
Mit dieser Entwicklung nehmen auch die gesellschaftlichen Spannungen zu. Ein immer grösserer Teil der Bevölkerung verbindet das Bevölkerungswachstum mit steigenden Mieten, Wohnungsknappheit und einer überlasteten Infrastruktur. Aktuelle Umfragen deuten darauf hin, dass die Chancen auf eine Annahme der Initiative durchaus intakt sind. Im Folgenden zeigen wir auf, weshalb die Kündigung der PFZ bei einer konsequenten Umsetzung faktisch zum zentralen Hebel werden dürfte und weshalb dadurch nicht nur bestehende Probleme ungelöst blieben, sondern auch neue Spannungsfelder entstehen könnten.

