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Lombardkredit: Erklärung

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14 Jul 2025
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Mit gezielter Finanzierung lassen sich Träume verwirklichen und Freiräume schaffen.

Zu den möglichen Kreditoptionen gehört der Lombardkredit. Dabei werden Wertschriften wie Aktien oder Obligationen als Pfand hinterlegt. Der Kreditnehmer erhält zusätzliche Liquidität, ohne eigene Wertschriften verkaufen zu müssen, während die Bank aufgrund dieser Sicherheiten in der Regel einen vergleichsweise tiefen Zinssatz gewährt. Dabei ist jedoch zu beachten, welche Kosten und Risiken tatsächlich anfallen und wie sich diese Faktoren auf das Risiko eines Margin Calls auswirken.

Lesen Sie weiter für eine detaillierte Lombardkredit-Erklärung.

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Mit einem Lombardkredit kann man die finanzielle Flexibilität einfach erhöhen und Liquiditätsengpässe überbrücken, ob privater oder geschäftlicher Art.

Zudem erlaubt es ein Lombardkredit Anlagechancen zu ergreifen oder das eigene Portfolio zu diversifizieren. Hinsichtlich Betrag, Zeitrahmen und Währung können diese Kredite individuell angepasst werden.

Allgemein werden folgende Lombardkreditformen unterschieden:

Kreditlinie auf Wertschriftendepot (strategisch)

Flexibler Rahmenkredit, der durch die Verpfändung von Wertschriften und anderen liquiden Vermögenswerten im Depot besichert wird, wobei nur der genutzte Betrag verzinst wird. Die Belehnung orientiert sich an Art, Qualität, Volatilität und Liquidität der Sicherheiten.

Umsetzung (operativ)

Die Sicherheiten werden geprüft und bewertet. Aufgrund dieser Prüfung wird ein Belehnungswert definiert, der meist unter dem Marktwert der Sicherheiten liegt.

In einem nächsten Schritt werden die Wertschriften verpfändet. Trotz Verpfändung bleiben die Wertschriften im Depot des Kunden.

Die Bank überwacht in der Folge laufend den Wert der Sicherheiten. Falls der Belehnungswert eine bestimmte Limite unterschreitet, kommt es zum Margin Call (Kreditnachdeckung) und der Kunde muss Sicherheiten nachschiessen oder den Kredit zumindest teilweise zurückzahlen.

Kreditformen

Es wird unterschieden zwischen Kontokorrentkredit (auch Lombard-Überziehungskredit genannt), festem Lombardkredit (fester Betrag mit fester Laufzeit und festem Zins), Wertpapierkredit zur Wertschriftentransaktion (besonders bei Anlagegeschäften verbreitet), Lombard-Terminstrukturkredit (Kredit mit Termingestaltung) sowie revolvierende Lombardkredite. Hinzu kommen Multi-Currency-Varianten.

Die Wahl der Kreditform richtet sich nach den Bedürfnissen des Kunden sowie der Art und Liquidität der hinterlegten Wertschriften.

Kostenfaktoren

Zu den Kostenfaktoren gehören Kreditzinsen (die zentrale Kostenkomponente), Depotgebühren, Währungskosten, einmalige Abschluss- oder Bearbeitungsgebühren, Höhe bzw. Art der Sicherheiten (Belehnungssatz), Überwachungsspesen (durch Marktvolatilität bedingte Nachbewertungen).

Hinweis: Die Überwachung durch die Bank erfolgt regelmässig. Je nach Marktvolatilität können sogar tägliche Neubewertungen gemacht werden, was das Risiko eines Margin Calls erhöht. Lombardkredit heisst daher auch: Überwachung verstehen.

Lombardkredit: Erklärung der Kosten

Folgende Kosten können bei einem Lombardkredit anfallen:

  • Zins (variabel/fix): Ist abhängig von Bank, Volumen, Sicherheiten. Der Lombardzins ist meist günstiger als unbesicherter Barkredit, da Wertschriften als Pfand dienen.
  • Belehnungssatz/Haircut: Gibt an, wieviel Prozent des Depotwertes als Kredit möglich sind (z. B. 50–80 % bei qualitativ guten Anleihen, tiefer bei Aktien/Fonds).
  • Produkt-/Kontogebühren: Konto-/Depot- oder Arrangierungsgebühren. Je nach Anbieter fallen zusätzliche Umrechnungskosten bei Fremdwährungskrediten an.
  • Überwachung & Nachdeckung: Bei Kursrückgang Margin Call: zusätzliches Pfand oder Kreditreduktion nötig, sonst Zwangsverkauf.

Checkliste bei der Anbieterauswahl

Bei der Auswahl der möglichen Anbieter eines Lombardkredits sollten folgende Fragen eindeutig beantwortet werden:

  1. Sind Ziel & Verwendungszweck des Lombardkredits klar (dient er als Überbrückung, Investition, zum Bezahlen der Steuerrechnung, als Liquidität)?
  2. Sind die Belehnungssätze für die jeweilige Anlageklasse transparent (Aktien, Anleihen, Fonds, Edelmetalle)?
  3. Sind die Regeln bezüglich Kreditnachdeckungen (sog. Margin Calls) (Schwellen, Fristen, automatischer Verkauf) verständlich?
  4. Sind die Rahmenbedingungen der Überwachung der Wertschriften (Bewertungsfrequenz, Stressphasen täglich?) geklärt?
  5. Sind die Kosten (Konto/Depot/Arrangierung/FX/Sonstiges) komplett aufgelistet?
  6. Werden eventuelle Währungsrisiken & Absicherungen beschrieben?
  7. Sind die Vertragsklauseln bezüglich Nachdeckung und Zwangsliquidation sauber formuliert?
  8. Sind Sperrlisten/akzeptierte Sicherheiten (Liquidität, Diversifikation) vorhanden?
  9. Ist eine Kombination mit Vermögensverwaltung/Beratung (Konflikte/Anreize) angedacht?
  10. Sind die Regeln bezüglich Ausstieg/Reduktion (Vorfälligkeit, Mindestlaufzeiten, Rückzahlungspfad) klar?

FAQ

Was ist ein Lombardkredit?

Ein Lombardkredit ist ein besicherter Kredit gegen Verpfändung liquider Vermögenswerte (Aktien, Obligationen, Fonds etc.). Der Kreditnehmer erhält Liquidität, ohne seine Vermögenswerte verkaufen zu müssen.

Wie hoch ist der Belehnungssatz?

Dieser Satz ist abhängig von der Art, Qualität, Volatilität, Handelbarkeit der Sicherheiten. Die Banken legen eigene Belehnungssätze fest, daher gilt es, die zur Anwendung kommenden Sätze eingehend zu prüfen und vergleichen.

Was ist ein Margin Call?

Ein Margin Call ist eine Aufforderung zur Nachdeckung, wenn der Wert der verpfändeten Sicherheiten auf einen bestimmten Kurs fällt. Kann der Kreditnehmer keine Nachdeckung gewährleisten, kommt es zu einem Positionsabbau bzw. Zwangsverkauf.

Wie tief sind die Zinsen?

Die Zinsen sind tiefer als bei unbesicherten Krediten, allerdings hängen sie von den Marktbedingungen ab. Die Marge variiert je nach Profil/Volumen.

Welche Risiken gibt es?

Das Hauptrisiko sind Kursrückgänge der verpfändeten Werte, was einen Margin Call auslösen kann. Hinzu kommen Risiken wie Zinsänderungen und FX-Risiken bei Fremdwährungen.

Wofür eignet sich ein Lombardkredit?

Er ist besonders geeignet zum Erhalt von kurzfristiger Liquidität, um konkrete Opportunitäten ergreifen zu können und die Diversifikation des Depots zu erhöhen. Allerdings erfordert ein Lombardkredit die Disziplin des Kreditnehmers.

Wie oft werden Sicherheiten bewertet?

Die Überwachung und Bewertung erfolgen regelmässig. In Stressphasen kann die Neubewertung intensiviert werden und sogar täglich erfolgen.

Welche Sicherheiten sind üblich?

Zur Verpfändung werden marktfähige Wertschriften wie Aktien, Anleihen, Fonds- & ETF-Anteile verwendet. Die jeweilige Bank bestimmt die Liste der akzeptierten Wertschriften sowie die angewandten Haircuts (nur ein Teil des Marktwerts gilt als Sicherheit).

Fazit

Wie in dieser Lombardkredit-Erklärung aufgezeigt, gilt es vor der Kreditaufnahme diverse Punkte zu klären. Es muss abgeklärt werden, in welchem Zusammenspiel Kredit und Risiko stehen und man muss Punkte wie Zins, Belehnungssatz, Bewertungshäufigkeit und Margin-Call-Mechanik verstehen.

Wer diese Faktoren zum Thema Lombardkredit beherzigt, kann die Liquidität zielgerichtet einsetzen, reduziert Überraschungen und bleibt mit seinen Anlagezielen auch in volatilen Märkten auf Kurs.

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Wer langfristig erfolgreich anlegen will, braucht neben einem Bewusstsein des eigenen Risikoprofils gute Kenntnisse der Finanzmärkte und Anlageklassen sowie ein Bewusstsein der Chancen und Risiken.

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Lombardkredit: Erklärung
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Bekim Laski

Chief Investment Officer und Partner
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