Mit einem Lombardkredit kann man die finanzielle Flexibilität einfach erhöhen und Liquiditätsengpässe überbrücken, ob privater oder geschäftlicher Art.
Zudem erlaubt es ein Lombardkredit Anlagechancen zu ergreifen oder das eigene Portfolio zu diversifizieren. Hinsichtlich Betrag, Zeitrahmen und Währung können diese Kredite individuell angepasst werden.
Allgemein werden folgende Lombardkreditformen unterschieden:
Kreditlinie auf Wertschriftendepot (strategisch)
Flexibler Rahmenkredit, der durch die Verpfändung von Wertschriften und anderen liquiden Vermögenswerten im Depot besichert wird, wobei nur der genutzte Betrag verzinst wird. Die Belehnung orientiert sich an Art, Qualität, Volatilität und Liquidität der Sicherheiten.
Umsetzung (operativ)
Die Sicherheiten werden geprüft und bewertet. Aufgrund dieser Prüfung wird ein Belehnungswert definiert, der meist unter dem Marktwert der Sicherheiten liegt.
In einem nächsten Schritt werden die Wertschriften verpfändet. Trotz Verpfändung bleiben die Wertschriften im Depot des Kunden.
Die Bank überwacht in der Folge laufend den Wert der Sicherheiten. Falls der Belehnungswert eine bestimmte Limite unterschreitet, kommt es zum Margin Call (Kreditnachdeckung) und der Kunde muss Sicherheiten nachschiessen oder den Kredit zumindest teilweise zurückzahlen.
Kreditformen
Es wird unterschieden zwischen Kontokorrentkredit (auch Lombard-Überziehungskredit genannt), festem Lombardkredit (fester Betrag mit fester Laufzeit und festem Zins), Wertpapierkredit zur Wertschriftentransaktion (besonders bei Anlagegeschäften verbreitet), Lombard-Terminstrukturkredit (Kredit mit Termingestaltung) sowie revolvierende Lombardkredite. Hinzu kommen Multi-Currency-Varianten.
Die Wahl der Kreditform richtet sich nach den Bedürfnissen des Kunden sowie der Art und Liquidität der hinterlegten Wertschriften.
Kostenfaktoren
Zu den Kostenfaktoren gehören Kreditzinsen (die zentrale Kostenkomponente), Depotgebühren, Währungskosten, einmalige Abschluss- oder Bearbeitungsgebühren, Höhe bzw. Art der Sicherheiten (Belehnungssatz), Überwachungsspesen (durch Marktvolatilität bedingte Nachbewertungen).
Hinweis: Die Überwachung durch die Bank erfolgt regelmässig. Je nach Marktvolatilität können sogar tägliche Neubewertungen gemacht werden, was das Risiko eines Margin Calls erhöht. Lombardkredit heisst daher auch: Überwachung verstehen.
Lombardkredit: Erklärung der Kosten
Folgende Kosten können bei einem Lombardkredit anfallen:
- Zins (variabel/fix): Ist abhängig von Bank, Volumen, Sicherheiten. Der Lombardzins ist meist günstiger als unbesicherter Barkredit, da Wertschriften als Pfand dienen.
- Belehnungssatz/Haircut: Gibt an, wieviel Prozent des Depotwertes als Kredit möglich sind (z. B. 50–80 % bei qualitativ guten Anleihen, tiefer bei Aktien/Fonds).
- Produkt-/Kontogebühren: Konto-/Depot- oder Arrangierungsgebühren. Je nach Anbieter fallen zusätzliche Umrechnungskosten bei Fremdwährungskrediten an.
- Überwachung & Nachdeckung: Bei Kursrückgang Margin Call: zusätzliches Pfand oder Kreditreduktion nötig, sonst Zwangsverkauf.
Checkliste bei der Anbieterauswahl
Bei der Auswahl der möglichen Anbieter eines Lombardkredits sollten folgende Fragen eindeutig beantwortet werden:
- Sind Ziel & Verwendungszweck des Lombardkredits klar (dient er als Überbrückung, Investition, zum Bezahlen der Steuerrechnung, als Liquidität)?
- Sind die Belehnungssätze für die jeweilige Anlageklasse transparent (Aktien, Anleihen, Fonds, Edelmetalle)?
- Sind die Regeln bezüglich Kreditnachdeckungen (sog. Margin Calls) (Schwellen, Fristen, automatischer Verkauf) verständlich?
- Sind die Rahmenbedingungen der Überwachung der Wertschriften (Bewertungsfrequenz, Stressphasen täglich?) geklärt?
- Sind die Kosten (Konto/Depot/Arrangierung/FX/Sonstiges) komplett aufgelistet?
- Werden eventuelle Währungsrisiken & Absicherungen beschrieben?
- Sind die Vertragsklauseln bezüglich Nachdeckung und Zwangsliquidation sauber formuliert?
- Sind Sperrlisten/akzeptierte Sicherheiten (Liquidität, Diversifikation) vorhanden?
- Ist eine Kombination mit Vermögensverwaltung/Beratung (Konflikte/Anreize) angedacht?
- Sind die Regeln bezüglich Ausstieg/Reduktion (Vorfälligkeit, Mindestlaufzeiten, Rückzahlungspfad) klar?