Die gemeinsamen US-israelischen Angriffe auf den Iran und die umgehenden iranischen Vergeltungsmassnahmen haben den Nahen Osten in einen Krieg gestürzt. Die Angriffe scheinen auch auf einen Führungswechsel abzuzielen. Während die Sachlage weiterhin undurchsichtig ist, gehören zu den angeblich getöteten Personen bislang auch der Oberste Führer Ali Khamenei und Präsident Masoud Pezeshkian. Teheran bestätigte zudem den Tod eines ranghohen Beraters Khameneis sowie des Kommandeurs der Revolutionsgarden.
Obwohl Khameneis Tod von grosser Bedeutung ist, bedeutet er nicht zwangsläufig das Ende des Islamischen Regimes. Zwar war der Oberste Führer die letztinstanzliche Entscheidungsautorität, jedoch nicht die einzige. Politische Beobachter gehen davon aus, dass seit Jahren eine Nachfolgeregelung vorbereitet wurde. Ebenso sind die Revolutionsgarden tief in politische, wirtschaftliche und sicherheitsrelevante Strukturen eingebunden. Die gezielte Ausschaltung ihrer Führung würde sie schwächen, jedoch nicht die gesamte Organisation auflösen.
Das Ausmass des Konflikts scheint entsprechend erheblich, und die Auseinandersetzung könnte länger und intensiver verlaufen als der zwölf Tage dauernde Konflikt im Juni. Für die Weltwirtschaft besteht das Hauptrisiko in der Ölversorgung, in der Entwicklung der Energiepreise sowie in einer möglichen weiteren regionalen Eskalation.
Nachfolgend werden die wichtigsten Fragen beantwortet, die sich für Schweizer Anlegerinnen und Anleger stellen.
1) Welche unmittelbare Reaktion ist an den globalen Finanzmärkten am Montag zu erwarten?
Kurzfristig ist mit einer Flucht in sichere Anlagen zu rechnen, also höheren Notierungen bei Gold, Staatsanleihen hoher Bonität und einem festeren Schweizer Franken. Risikoanlagen wie Aktien und hochverzinsliche Anleihen dürften schwächer und volatiler tendieren. Gleichzeitig dürften Energie- und Ölpreise aufgrund befürchteter Angebots- und Transportrisiken mit einem Aufschlag eröffnen. Derzeit wird mit einem Preisanstieg bei Rohöl um bis zu USD 10 gerechnet, was einem prozentualen Anstieg von bis zu 15% entspricht. Der Fokus der Finanzmärkte richtet sich auf die Strasse von Hormuz, durch welche rund ein Fünftel des globalen Öls und LNG transportiert wird.
Der Aktienindex in Saudi-Arabien eröffnete am Sonntag etwa 5% tiefer, machte jedoch im weiteren Handelsverlauf den grössten Teil dieser Verluste wieder wett. Unterdessen erholte sich Bitcoin nach anfänglichen Verlusten vom Samstag relativ rasch und notiert am Sonntag gegenüber Freitag und Samstag leicht höher.
2) Was ist die Strasse von Hormuz und weshalb wird sie als Achillesferse gesehen?
Über diese Meerespassage werden rund 20% bis 25% des weltweiten Ölverbrauchs und der LNG-Exporte verschifft. Da den Förderländern am Golf kaum gleichwertige Ausweichrouten zur Verfügung stehen, würde eine Blockade oder eine Störung der Durchfahrt rasch zu Preissprüngen bei Öl und Gas führen. Die Strasse von Hormuz gilt daher als Achillesferse der globalen Energieversorgung.
Iran übt erheblichen strategischen Einfluss über diese Wasserstrasse aus. Mehrere Ölkonzerne und grosse Handelsgesellschaften stellten Berichten zufolge wenige Minuten nach den US-Angriffen ihre Öl- und Treibstofftransporte durch die Strasse von Hormuz ein. Obwohl Iran die Passage noch nie vollständig geschlossen hat und ein solcher Schritt als faktisch kaum durchführbar gilt, hat das Land in der Vergangenheit bereits Öltanker angegriffen und Minen in seinen Gewässern gelegt. Jede Form von Störung würde daher beträchtliche Risiken schaffen und zu höheren Transportprämien sowie steigenden Öl- und Gaspreisen führen, da Lieferungen umgeleitet werden müssten.
3) Welche Rolle spielt Iran für den globalen Ölmarkt?
Iran produziert gemäss Schätzungen rund 3,4 Millionen Barrel Rohöl pro Tag und deckt damit etwa 4% der weltweiten Ölversorgung ab. Das Land exportiert täglich zwischen ein und zwei Millionen Barrel, wobei der grösste Teil dieser sanktionierten Lieferungen nach China geht.
Ein vorübergehender Ausfall Irans als Produzent würde somit die globale Ölversorgung direkt beeinträchtigen. Die OPEC-Länder könnten diesen Ausfall jedoch teilweise durch erhöhte Produktions- und Exportvolumen kompensieren. Erste entsprechende Massnahmen wurden bereits heute Sonntag von Seiten der OPEC getroffen.
4) Haben kriegerische Auseinandersetzungen in der Vergangenheit nachhaltige Auswirkungen auf die globale Wirtschaft und Finanzmärkte gehabt, und ist es diesmal anders?
Kriege und bewaffnete Konflikte verursachen menschliches Leid und haben tiefgreifende Folgen auf vielen Ebenen. In Bezug auf die Finanzmärkte stellen militärische Konflikte in der Regel nur vorübergehende Schocks dar, solange sie regional begrenzt bleiben und die Energieversorgung nicht dauerhaft beeinträchtigen. Diesmal ist das Risiko aber schwerer einzuschätzen, da ein zentraler Energieproduzent und eine kritische Transportroute direkt betroffen sind. Ob die Auswirkungen nachhaltiger sein werden, hängt entscheidend davon ab, ob der Konflikt rasch eingegrenzt wird oder ob es zu einer länger anhaltenden Unterbrechung der Öl- und Gaslieferungen durch die Strasse von Hormuz kommt.
5) Was bedeutet dies für mich als Anlegerin bzw. Anleger? Soll ich meine Anlagen veräussern?
Panikverkäufe unmittelbar nach Schocks erweisen sich erfahrungsgemäss häufig als Fehlentscheidungen, da Marktreaktionen kurzfristig übertrieben ausfallen können und sich später normalisieren. Für langfristig orientierte Anlegerinnen und Anleger ist es in der Regel sinnvoller, die bestehende Allokation zu überprüfen, damit diese mit den Zielen und der Strategie übereinstimmt und gleichzeitig Diversifikation und Qualität betont. Eine vollständige Veräusserung würde zudem das Wiederanlagerisiko deutlich erhöhen und sollte nur in Ausnahmefällen und nach individueller Beratung in Betracht gezogen werden.
6) Ist dies nun ein günstiger Einstiegszeitpunkt in die Finanzmärkte?
Nach geopolitischen Schocks bieten sich oftmals attraktive Einstiegsgelegenheiten. Diese sollten jedoch stets im Einklang mit dem individuellen Risikoprofil und der langfristigen Anlagestrategie stehen. Ob derzeit ein günstiger Einstiegszeitpunkt besteht, lässt sich seriös nicht abschätzen, da die weitere militärische und politische Entwicklung unklar ist. Anlegerinnen und Anleger mit Investitionsabsichten könnten ein gestaffeltes Vorgehen in mehreren Tranchen und unter Einbezug eines klaren Risikobudgets erwägen, anstatt auf einen perfekten Zeitpunkt zu warten.
7) Wie ist mein smzh Invest Portfolio aufgestellt?
Die aktuelle Lage wird laufend überwacht. Die smzh Invest Portfolios sind breit diversifiziert über Anlageklassen wie Aktien, Anleihen, Immobilien und Gold. Gegenwärtig besteht kein Anlass zur Hektik, da alle Portfolios vollständig im Einklang mit dem jeweiligen Risikoprofil und der definierten Strategie investiert sind.

