Resilienz trotz Ungleichgewicht
2025 hat uns eindrücklich vor Augen geführt, wie widerstandsfähig Wirtschaft und Finanzmärkte sein können. Trotz politischer Turbulenzen, geopolitischer Spannungen und wiederkehrender Krisen-Schlagzeilen ist das globale Wachstum nicht eingebrochen. Im Gegenteil: Viele Volkswirtschaften haben sich erstaunlich robust entwickelt. Auch für 2026 deutet vieles darauf hin, dass Resilienz das zentrale Merkmal des makroökonomischen Umfelds bleiben wird, allerdings eine Resilienz, die zunehmend von Ungleichgewichten überlagert ist.
Auf den ersten Blick ist die Ausgangslage ermutigend: Eine solide Konsumnachfrage, gesunde Haushaltsbilanzen und stabile Unternehmensgewinne sind ein wichtiges Fundament. Auch viele Schwellenländer sind heute besser aufgestellt als in früheren Phasen, mit stärkeren Devisenreserven, geringerer Inflation und robusteren Staatsfinanzen. Das globale Wachstum dürfte zwar nicht spektakulär ausfallen, aber über die wichtigsten Regionen hinweg positiv bleiben. Für Anlegerinnen und Anleger ist das eine konstruktive Basis.
Gleichzeitig ist das Wachstum immer stärker von wenigen, spezifischen Kräften abhängig: von staatlichen Stimulierungsmassnahmen, grossen Investitionen in künstliche Intelligenz und Vermögenszuwächsen, die nicht alle Menschen gleichermassen erreichen. Geopolitische Spannungen, Handelskonflikte und der Wandel durch Digitalisierung, Dekarbonisierung und Demografie verstärken diese Ungleichgewichte zusätzlich. Die Welt ist robuster, als viele erwartet hätten, aber sie ist auch komplexer und fragmentierter geworden.
Für Anlegerinnen und Anleger bedeutet «Resilienz trotz Ungleichgewicht», dass robustes Wachstum nicht automatisch zu einer breiten Marktperformance führen muss. Selektivität, Diversifikation und ein aktives Risikomanagement gewinnen weiter an Bedeutung. In unserem Investment Outlook 2026 beleuchten wir, wie sich diese Mischung aus Widerstandsfähigkeit und Ungleichgewicht auf die wichtigsten Anlageklassen auswirkt. Unser Ziel ist es, Orientierung in einem Umfeld zu geben, das Stabilität signalisiert, aber unter der Oberfläche mehr Differenzierung verlangt denn je, und daraus konkrete Anlagechancen für langfristig orientierte Portfolios abzuleiten.

